Dienstag, März 25, 2008

Frostern

In den letzten Tagen habe ich mir aus aktuellem Anlass verstärkt Gedanken gemacht, wie man in unseren Tagen als postmoderner Christ sinnvoll der Leiden und Auferstehung unseres Herrn gedenken kann ohne dass es aufgesetzt wirkt aber trotzdem auch mit Zeugnischarakter und reflektiertem Realitätsbezug zum weltlichen Brauchtum.

Was feiern wir eigentlich Ostern?

Passionszeit: Jesus hat 40 Tage in der Wüstegefastet, außerdem errinnert diese Zeit von Karneval bis Ostern an den Leidensweg Jesu und übt in Enthaltsamkeit. In dieser Zeit habe ich dieses Jahr bewusst auf Schokolade verzichtet. Nicht primär aus religiösen Gründen, sondern weil ich einfach mal etwas fasten wollte, was zwar weh tut, aber nicht lebensnotwendig ist. Jetzt bin ich froh, dass es vorbei ist und hab gleicheitig gelernt, dass man auch Videoabende, Kaffeerunden und Frühstückssessions ohne Schokolade überleben kann :-)

Palmsonntag: Jesus zieht in Jerusalem ein und wird als König umjubelt. Seine Herrlichkeit ist zumindest kurz sichtbar. Das könnte man durch eine Parade, Lobpreis und eine fröhliche Tanzveranstaltung feiern. Dieses Jahr hab ich zu spät darüber nachgedacht und nichts dergleichen getan. Für nächstes Jahr werde ich mir sicher noch was einfallen lassen...

Gründonnerstag: Jesus setzt alles daran, Gemeinschaft mit seinen Jüngern zu haben. Er feiert das letzte Abendmahl, wird verraten und im Garten Getsemane festgenommen. Als Erinnerung daran haben wir in der Uferkirche ein besinnliches abendmahl gefeiert und hinterher mit ein paar Freunden Gemeinschaft beim Billard und bei afrikanischem Essen (fast israelisch und als Connection zu meinem Bruder in Liberia) den Abend ausklingen lassen.

Karfreitag: Jesu Prozess, Tod, Grablegung. Ein Tag des Trauerns und der Besinnung. Jesus hat alles gegeben und ist durch den Tod gegangen ohne seine göttliche Macht zu nutzen. Das möchte ich nicht einfach übergehen, sondern bewusst wahrnehmen.

Ostersamstag: Ist es Karsamstag oder Ostersamstag? Bedenken wir den Tod Christi oder freuen wir uns über die bevorstehende Auferstehung? Freude oder Trauer, Party oder Besinnung, wie geht es weiter? Ich weiss es nicht. Und ich glaube, das trifft auch am ehesten auf die Situation der Jünger am ersten Osterwochenende zu. Sie wussten auch nicht, was sie tun sollten und wie es weiter geht. Von daher ist so ein Tag des Zweifelns und der Ungewissheit durchaus sinnvoll...

Ostersonntag: Der Herr ist auferstanden! Und die Freude der Auferstehung kann diesen Tag besonders prägen. Das Grab ist leer und wer auf Jesus vertraut kann sich freuen und das Licht der Welt weitergeben an die Menschen, die den eignetlichen Sinn von Ostern vor lauter Eiern und Hasen vergessen haben.
Wie viele Christen habe ich eine Osternacht zum Sonnenaufgang genossen, nach dem Osterfrühstück den Familiengottesdienst in der Uferkirche genossen und danach den Tag mit meiner Familie verbracht.

Ostermontag: Was feiern wir eignetlich am Ostermontag? Jesus ist Sonntag auferstanden und nacheinander noch bis zum Himmelfahrtsfest diversen Jüngergruppen erscheidnen, um seine "letzten Worte" weiterzugeben. Von daher kenne ich keinen theologischen Grund für diesen Feiertag. Aber einen geistlcihen Grund gibt es doch. Denn das wichtigste Fest des ganzen Kirchenjahres und der ganzen Weltgeschichte hat einen zweiten Feiertag verdient. Dadurch wird der Wert deutlich, den Ostern für uns hat und es tut gut, einen Tag der Entspannung und Gemeinschaft zu haben, um die OSterfreude wirklich geniessen zu können ohne sich gleich auf den Alltag einstellen zu müssen. Von daher habe ich den Ostermontag dieses Jahr ganz harmonisch und kreativ genossen mit Ausschlafen, guten Gesprächen, einem Videointerview und lustigem Schoko-Osterhasenjagen inklusive anschliessendem Schokoladenfondue, um entgültig die Fastenzeit zu beenden ;-)

Insgesamt bin ich echt glücklich über diese Ostertage. Zum einen,w eil ich mit vielen tollen LEuten Zeit verbringen konnte und zum anderen, weil ich ganz bewusst den Weg Jesu miterleben konnte und mir wieder bewusst geworden ist, wie wunderbar Gottes Plan mit uns ist :-)

Und trotzdem kommt jetzt wieder der Alltag mit Schlafmangel, Arbeit und Kreativchaos. Aber das gehöhrt wohl auch dazu, um die nächsten Feiertage wieder bewusst wahrnehmen und geniessen zu können :-)

Sonntag, März 02, 2008

Gottes Räume

"Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen - wie sollte es dann dies Haus tun, das ich gebaut habe?" (1.Könige 8,27)

Die Losung von heute bringt mich zum Nachdenken. Salomo, der große und weise König Israels hat umgesetzt, was schon sein Vater David geplant hatte. Er hat neben dem prunkvollen Palast und den sicheren Mauern und Anlagen Jerusalems ein ganz besonderes Haus gebaut. Kapitelweise kann man die Konstruktionspläne nachlesen, welche Rohstoffe importiert wurden, wie die einzelnen Abschnitte und Räume geplant und umgesetzt wurden. Die besten Bauläute wurden engagiert, um das wohl prächtigste Bauwerk zu errichten, was "State of the Art" war. Denn Gott verdient nicht weniger als das Beste, was wir ihm bieten können. Das wusste König Salomo und das hat sich seit dem auch nicht geändert.

Bis zum heutigen Tag kann man an christlichen Kirchen (sicher auch an anderen Gotteshäusern, da kenn ich mcih aber nicht so aus...) unterschiedlicher Zeit sehen, wie die Bauherren das zu ihrer Zeit mögliche getan haben, um Gott das bombastischte und wunderbarste Gebäude zu errichten. Teilweise ging es vielleicht um weltliche Macht bzw Konkurrenz zu staatlichem Prunk, aber sicherlich immer auch um einen geeigneten Ort, um dem zu begegnen, der viel zu groß ist, um sich in einem einfachen Haus einfangen zu lassen.

Auch heute noch versuchen wir besondere Maßstäbe an Kirchengebäude zu setzen. Stile gibt es viele. Aber immer soll es etwas besonderes sein. Besonders ehrwürdig, architektonisch eindrucksvoll, besonders einfach oder technisch besonders gut ausgestattet. Je nach geistlicher Strömung ist das Besondere mitunter sehr unterschiedlich.

Manchmal habe ich dabei den Eindruck, dass wir die Erkenntnis aus dem alttestamentlichen Zitat oben aus dem Blick verloren haben. Wenn schon der Himmel und aller Himmel Himmel (=alles, was wir uns vorstellen können) Gott nicht fassen kann und auch nicht der prunkvolle Tempel Salomos, dann kann es auch nicht unsere Kirche (egal ob es der Kölner Dom, das WillowCreek-Auditorium oder die Glaskathedrale in Kalifornien ist). Auch nicht das Stadion, das wir vielleicht mit Christen füllen können, die dort Gott loben, ohne dabei aber Gott in dieses Stadion pressen zu können und selbst der katholische Weltjugendtag mit über einer Million Menschen auf offenem Feld kann Gott kein Haus bieten indem er einzig gegenwärtig wäre.

Es ist gut, solche Orte zu schaffen, wo Menschen sich versammeln, sich und Gott begegnen können. Es ist gut, sich Gedanken zu machen, wie man solche Orte gestalten kann, damit Begegnung möglich wird, damit ein Teil der Herrlichkeit und Güte Gottes sichtbar und erfahrbar wird. Wichtig ist aber vor Allem, sich immer wieder bewusst zu machen, dass Gott in allem unverfügbar bleibt, größer als all unsere Ideen, Bauwerke und Konzepte.
Ihm begegnen können wir deshalb nicht nur in diesen heiligen Hallen, sondern auch im stillen Kämmerlein, in der chinesischen Kellergemeinde, im Flugzeug, auf der Technoparty, im Kino, oder der Uni. Oder im Internet. Denn letztlich ist der virtuelle Raum der vernetzten Computerwelt vielleicht noch die größtmögliche Annäherung an Gottes Größe und das Wesen seiner Omnipräsenz. Ohne den Anspruch, Gott auf diesen Raum begrenzen zu wollen.
Denn überall gilt: Gott ist gegenwärtig, lasset uns anbeten und in Ehrfurcht vor ihn treten.