Sonntag, März 02, 2008

Gottes Räume

"Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen - wie sollte es dann dies Haus tun, das ich gebaut habe?" (1.Könige 8,27)

Die Losung von heute bringt mich zum Nachdenken. Salomo, der große und weise König Israels hat umgesetzt, was schon sein Vater David geplant hatte. Er hat neben dem prunkvollen Palast und den sicheren Mauern und Anlagen Jerusalems ein ganz besonderes Haus gebaut. Kapitelweise kann man die Konstruktionspläne nachlesen, welche Rohstoffe importiert wurden, wie die einzelnen Abschnitte und Räume geplant und umgesetzt wurden. Die besten Bauläute wurden engagiert, um das wohl prächtigste Bauwerk zu errichten, was "State of the Art" war. Denn Gott verdient nicht weniger als das Beste, was wir ihm bieten können. Das wusste König Salomo und das hat sich seit dem auch nicht geändert.

Bis zum heutigen Tag kann man an christlichen Kirchen (sicher auch an anderen Gotteshäusern, da kenn ich mcih aber nicht so aus...) unterschiedlicher Zeit sehen, wie die Bauherren das zu ihrer Zeit mögliche getan haben, um Gott das bombastischte und wunderbarste Gebäude zu errichten. Teilweise ging es vielleicht um weltliche Macht bzw Konkurrenz zu staatlichem Prunk, aber sicherlich immer auch um einen geeigneten Ort, um dem zu begegnen, der viel zu groß ist, um sich in einem einfachen Haus einfangen zu lassen.

Auch heute noch versuchen wir besondere Maßstäbe an Kirchengebäude zu setzen. Stile gibt es viele. Aber immer soll es etwas besonderes sein. Besonders ehrwürdig, architektonisch eindrucksvoll, besonders einfach oder technisch besonders gut ausgestattet. Je nach geistlicher Strömung ist das Besondere mitunter sehr unterschiedlich.

Manchmal habe ich dabei den Eindruck, dass wir die Erkenntnis aus dem alttestamentlichen Zitat oben aus dem Blick verloren haben. Wenn schon der Himmel und aller Himmel Himmel (=alles, was wir uns vorstellen können) Gott nicht fassen kann und auch nicht der prunkvolle Tempel Salomos, dann kann es auch nicht unsere Kirche (egal ob es der Kölner Dom, das WillowCreek-Auditorium oder die Glaskathedrale in Kalifornien ist). Auch nicht das Stadion, das wir vielleicht mit Christen füllen können, die dort Gott loben, ohne dabei aber Gott in dieses Stadion pressen zu können und selbst der katholische Weltjugendtag mit über einer Million Menschen auf offenem Feld kann Gott kein Haus bieten indem er einzig gegenwärtig wäre.

Es ist gut, solche Orte zu schaffen, wo Menschen sich versammeln, sich und Gott begegnen können. Es ist gut, sich Gedanken zu machen, wie man solche Orte gestalten kann, damit Begegnung möglich wird, damit ein Teil der Herrlichkeit und Güte Gottes sichtbar und erfahrbar wird. Wichtig ist aber vor Allem, sich immer wieder bewusst zu machen, dass Gott in allem unverfügbar bleibt, größer als all unsere Ideen, Bauwerke und Konzepte.
Ihm begegnen können wir deshalb nicht nur in diesen heiligen Hallen, sondern auch im stillen Kämmerlein, in der chinesischen Kellergemeinde, im Flugzeug, auf der Technoparty, im Kino, oder der Uni. Oder im Internet. Denn letztlich ist der virtuelle Raum der vernetzten Computerwelt vielleicht noch die größtmögliche Annäherung an Gottes Größe und das Wesen seiner Omnipräsenz. Ohne den Anspruch, Gott auf diesen Raum begrenzen zu wollen.
Denn überall gilt: Gott ist gegenwärtig, lasset uns anbeten und in Ehrfurcht vor ihn treten.