Theodizeefrage
In einer Vorlesung an der Uni haben wir vor kurzem über die Theodizeefrage nachgedacht. Wie kann es bei all dem Leid in der Welt einen liebenden Gott geben?
Schon der Philosoph Epikur hat das vor zweiainhalbtausend Jahren diskutiert. Er sagt, ein Gott muss allmächtig sein, sonst wäre er ein Mensch und er muss barmherzig sein, sonst wäre er ein Teufel. Nun gibt es aber ungerechtfertigtes Leid in der Welt, was bedeutet...
a) Gott ist nicht allmächtig. Er will uns zwar helfen, kann es aber aus irgendwelchen Gründen nicht.
b) Gott ist nicht barmherzig. Er könnte uns helfen, möchte aber garnicht, dass es uns gut geht.
c) Gott ist weder allmächtig noch barmherzig. Er kann uns nicht helfen, interessiert sich auch garnicht dafür, wie es uns geht.
d) Gott ist allmächtig und barmherzig. Er kann uns helfen, will es auch. Warum tut er es dann nicht?
Die ersten drei Antworten würden zu einer atheistischen Position führen, dass Gott letztlich kein Gott wäre. Die vierte Antwort führte in der Religionsgeschichte oft zu agnostischen Positionen nach dem Motto "Die Götter sind viel zu sehr mit sich selber beschäftigt, um unsere Probleme zu lösen".
In der Bibel wird das Problem sehr ausführlich im Buch Hiob diskutiert. Dort wird ein reicher gottesfürchtiger Mann vorgestellt, der trotz eines guten Lebens in kurzer Zeit, seinen Besitz, seine Familie und seine Gesundheit verliert. Trotzdem hält er nach jedem Schicksalsschlag an Gott fest. Seine Freunde versuchen ihn davon abzubringen und ihm gute Ratschläge zu geben, aber Hiob sagt "Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen. Gepriesen sei der Name des Herrn!".
Er schaut nicht aus seiner momentanen Leidensphase auf Gott, der scheinbar ungerecht ist, sondern sieht sein Leben aus Gottes Perspektive. Und am Ende des Buches behält er recht. Gott begegnet ihm persönlich, öffnet ihm die Augen für die Größe und Komplexität der Schöpfung und die Begrenzheit des menschlichen Verstandes in dem allen. Und Hiob wird für sein Vertrauen belohnt.
Das beantwortet die Frage noch nicht, warum das Leid in der Welt ist. In der konstruierten Hiobsgeschichte ist eine Wette zwischen Gott und Satan der Ursprung für Hiobs Leid. Aber da wir im Allgemeinen nicht viel von Gottes Welt wissen, können wir darüber nur spekulieren.
Die christliche Antwort auf das Dilemma warum Gott nix tut, wenn er doch kann und will lautet "Freiheit".
Gott hat sich aus Barmherzigkeit dafür entschieden, dem Menschen einen freien Willen zu geben. Sicher hätte der allmächtige Gott auch Marionetten züchten können, die genau das tun, was er ihnen befiehlt. Aber er hat sich entschlossen, dass Menschen sich frei entscheiden können, Gutes und Bösen zu tun.
Ich bete und behaupte dass ich beim Hören auf Gott auch oft Tipps bekomme, wie ich bestimmte Entscheidungen sinnvoll fällen kann oder was aus Gottes Berspektive gerade dran ist. Von daher bleibe ich nicht allein in dieser komplexen Welt. Aber ich bin dadurch immer noch frei. Ich kann tun und lassen, was ich möchte.
Gott gibt den Menschen diese Möglichkeit, weil er barmherzig ist und uns in seiner Liebe die Freiheit zugesteht, auch Fehler machen zu dürfen. Er bleibt trotzdem allmächtig und immer wieder erlebe ich, dass in Situationen in denen ich eine falsche Entscheidung getroffen hätte, äußere Umstände mich zur spontanen Planänderung bringen und ich im Nachhinein merke, dass es so viel besser war.
Das beantwortet noch nicht alle Fragen, aber es hilft mit dem Leid in der Welt umzugehen und das, was ich nicht beantworten kann getrost bei Gott abzugeben :-)

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