Sonntag, Oktober 08, 2006

YoungerLeader Gathering 2006, Malaysia

Weil mich immer so vile Leute fragen, wie es eignetlich in Dubai/Malaysia war, poste ich hier mal meine spontanen Impressionen, die ich während der Zeit an meine Family geschickt habe. Teilweise leicht überarbeitet, so dass es hoffentlich verständlich und aussagekräftig ist. An manchen Punkten gehe ich bewusst auf Kleinigkeiten ein, weil ich die oft viel spannender finde, wie das, was alle erzählen :-)

Kurz zum Hintergrund: Die Lausanner Bewegung hat ca 500 „Younger Leaders“ (christliche Leiter zwischen 25 und 35) aus über 100 Ländern zu einer Konferenz eingeladen, um sich gegenseitig wahrzunehmen, kennenzulernen und den Fokus für die Welt zu öfnen. wir waren 8 Tage lang südlich von Kuala Lumpur in einem Hotel zusammen, haben tagsüber in Plenarveranstaltungen, Workshops und Kleingruppenzeiten über uns, unsere Welt und mögliche Entwicklungen für die Zukunft nachgedacht. Weil es am Billigsten war, bin ich mit Emirates über Dubai geflogen und hab da einen Tag Stopover genossen. Aber lies selbst:

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Hallo Mama!

Ich steh grad im Flughafen von Dubai und hier kann man kostenlos im Internet surfen. Deshalb schreibe ich schonmal einen kurzen Reisebericht...

Gestern bin ich ja in FRA gut weggekommen. Ohne Verspaetung, dafuer mit gutem Service und Essen an Bord. Hab erst noch den Spielfilm "Thank zou for smoking" geschaut (spanned, weil es ueber Ueberzeugungskraft durch Argumentation, Familienprobleme und Lobbyarbeit/Sozialkritik geht) und dann noch 3 Stunden geschlafen, bis wir puenktlich um halb7 hier gelandet sind.
Nach dem klimatisierten Flug war dann der erste Schock das Wetter: 36 Grad und 70% Luftfeuchtigkeit [bin mir im Nachhinein nicht mehr sicher, ob das stimmt, weil es sehr trockene Luft war...] morgens vor 7! Entsprechend hab ich mich auch den ganzen Tag lang wie in einer Mega-Sauna gefuehlt. Nach ein paar Verhandlungen mit Taxifahrern, die mich fuer bis zu 150$ gerne durch die Stadt gefahren haetten, hab ich mich dann fuer die Abenteuervariante entschieden, den Bus genommen und bin fast den ganzen Tag zu Fuss bzw im Bus (und zweimal kurz im Taxi) unterwegs gewesen. Und das war nicht ohne. Hab zwar am Anfang recht schnell das Meer gefunden und bin etwas rumgelaufen, aber nach <30 min war ich komplett durchgeschwitzt und wusste, warum hier alle jeden Meter im (klimatisierten) Auto fahren bzw nicht rausgehen, wenn es nicht sein muss...
Naja, zu Fuss hab ich dafuer so richtig das "normale Leben" erlebt. Kleine Gassen, Marktstaende, Getraenkeautomaten (mein Verbrauch lag bei ca 1 Liter Wasser je Km) und die unbarmherzige Sonne Arabiens. Jetzt verstehe ich noch weniger, warum frueher die Nomaden soviel durch die Wueste gezogen sind, denn das ist echt unertraeglich und ich war mehrfach kurz vor einem Hitzeschlag und musste mich an einer schattigen Hauswand abkuehlen. Und zum Hoehepunkt kam es dann als kurz vor 12 heute mittag alle Restaurants und aehnlich kuehle Plaetze wegen dem Mittagsgebet zu waren. Eigentlich wollte ich mir ja nur einen schoenen Platz suchen und da bis zum NAchmittag bleiben und relaxen, aber so bin ich ziellos durch Gassen und Strassen geirrt und habe Schatten und Wasser gesucht.
So ab 16 Uhr faengt dann hier auch das Leben endlich an. Da wird es etwas ertraeglicher und die Menschen sind wieder vermehrt zu sehen, alle Rollaeden sind auf einmal offen am Beach wird es voll. Ja, einen Strand zum abkuehlen hab ich letztlich uebrigens auch noch gefunden! Zwar war das Wasser bestimmt an die 30 Grad warm und selbst das "kalte Wasser" aus der Leitung nicht unter 25 Grad, der Sand und alle Steinwege mindestens 40 Grad und Schatten am Strand eine Seltenheit, aber zumindest konnte ich die komplett durchgeschwitzten Klamotten wechseln bzw in der Sonne trocknen lassen (was in einer Stunde prima klappt...).
Danach bin ich dann ein ganzes Stueck an der Promenade entlangspaziert, hab mich bei den Entfernungen etwas verschaetzt und dann kurz vor 9 entschieden, nix mehr sehen zu wollen und lieber schonmal 3 Stunden am Flughafen vorzuschlafen. Irgendwie haben zwei halbe Naechte und die Hitze mir echt zu schaffen gemacht. Aber ich hoffe, dass nach einer normalen Nacht morgen die Ankunft in Kuala Lumpur etwas entspannter und wieder fit ist. Ihr duerft gerne fuer Kraft, Motivation und gute Planung beten, wie ich die Zeit so einteile, dass ich viel mitbekomme aber auch entspannen kann...

So weit fuer heute, jetzt muss ich wirklich mal ein bis zwei Augen zudruecken. Je nach Internetstand melde ich mich die Tage dann vielleicht nochmal.
Ganz liebe Gruesse an alle (Mama, du darfst die Mail gerne weiterleiten...) und euch eine schoene kuehle Woche in MR :-)

Liebe Gruesse
Karsten

P.S.: Vieles klingt vielleciht erstmal negativ, aber insgesamt bin ich sehr positiv beeindruckt und hatte doch all in all einen Superschoenen Tag! Nur eben sehr anstrengend...

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Hallo!

Mittlerweile bin ich gut in Malaysia angekommen. Wir sind hier in einem super Hotel, direkt an der Kueste vom Westteil Malaysias. D.h. wenn ich auf dem Balkon stehe, kann ich das Meer rauschen hoeren und vom Hotel-Pool aus sind es nur ca 10 m zum Strand. Insgesamt also eine Traumlandschaft mit toller Atmosphaere (nicht mehr ganz so heiss, aber immer noch warm) und jede Menge interessanter Leute.

Bereits im Flugzeug (kurz nach der letzten Mail) habe ich einige YLG-Teilnehmer getroffen und seitdem alle paar Minuten neue kennen gelernt (sodass ich die meisten Namen schon wieder vergessen habe...). Die Gemeinschaft ist wirklich begeisternd hier, weil alle irgendwie christliche Leiter zwischen 25 und 35 sind und in ihrem Teil der Welt versuchen, das Leben als Christ zu gestalten und die Chancen & Herausforderungen der Zukunft zu gestalten. Es kommt mir vor, wie eine grosse Familie, wo man sich immer ueber alles moegliche unterhalten kann. Zuerst natuerlich der uebliche Smalltalk, wo man herkommt, was man macht und so, aber dann meist auch persoenliche Fragen an der Bar, theologische Diskussionen im Pool oder Kulturaustausch beim gemeinsamen Abendessen...
Ja, das Essen ist hier etwas gewoehnungsbedurftig. Echt gut und reichlich, aber teilweise nicht wirklich identifizierbar. Gestern hatte ich z.B. neben anderem ein Gericht, was zuerst nach Haehnchen aussah, dann wie fisch wirkte und mittlerweile schwanke ich zwischen Kaktusblaettern, Schlangenhaut und asiatischen Pilzen. Naja, es war lecker und hat satt gemacht. Also kann es nicht so schlecht gewesen sein ;-)

Die Konferenz besteht hier aus Plenarveranstaltungen, Kleingruppenzeiten, Workshops und Zeit zur freien Begegnung ("socializing"). Das ist ein relativ normaler Ablauf fuer Konferenzen, aber mit persoenlichem Schwerpunkt, sodass man sich wirklich kennen lernt und Freundschaften entstehen koennen.

OK, die Schlange hier im PC-Raum wird immer laenger, deshalb mache ich mal Schluss fuer heute und melde mich die Tage nochmal, was es neues gibt.
Falls nicht, treffen wir uns spaetestens naechte Woche in MR wieder :-)
Liebe Gruesse

Karsten

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Once again...

Hallo, heute Mittag habe ich beschlossen einmal das Essen ausfallen zu lassen und die Zeit zu nutzen, weil es gerade recht leer im Internet-Lab ist... Mittlerweile ist es Samstag, der vorletzte Tag der Konferenz und so langsam merke ich, wie anstrengend es ist, einfach mit Menschen zu reden, neue Kontakte herzustellen und zum 763. Mal zu erklaeren, wo ich herkomme, was ich mache und wo genau in Germay denn Marburg liegt. SmallTalk ist eben doch nicht das sinnvollste, sondern momentan versuche ich eher, die Kontakte die schon da sind zu vertiefen, sich mal eine Stunde nur mit einer Person auszutauschen und wirklich weiterbringende Gespraeche zu fuehren. Denn alle Leute, die ich hier kennen gelernt habe, sind so wertvoll und haben so tolle Geschichten, dass man einfach nur lernen kann.
Gestern war z.B. ein Treffen von allen, die irgendwie Media-Ministry machen und das war echt spannend, Leute aus allen Kontinenten zu sehen und zu hoeren, wie wo gearbeitet wird. Und mittlerweile bin ich immer mehr begeistert, dass wir in Marburg ein Teil von Gottes grossem Plan sein koennen und eine Arbeit machen koennen, die uns und andere naeher zu ihm bringt. Sei es durch die Gottesdienste, die Internetprojekte oder die geplante Fernseh-Arbeit :-)

Vorgestern (zur Konferenz-Halbzeit) hatten wir einen Nachmittag "social time". D.h. wir waren mit unserer Kleingruppe in KL unterwegs und haben die Kultur vor Ort kennen gelernt. Da gibt es neben den TwinTowers (die fast hoechsten Tuerme der Welt), riesige Malls, traditionelle Markthallen mit vielen kleinen Shops, Chinatown mit tausenden von Strassenhaendlern und viele ganz normale Menschen (viele Inder, Chinesen, Malaien und Touristen). Ausserdem waren wir in einer Fabrik, wo in Handarbeit tolle Zin-Gefaesse hergestellt werden, aber da ein einfacher Becher dort um die 80 EUR gekostet haette und ein Schachbrett um die 1000 EUR, habe ich mich entschlossen, keine Zin-Souveniers mitzubringen...

OK, noch ein paar Saetze ueber das Essen (weil das ja immer spannend ist...): Im Prinzip sind wir hier im Hotel wunderbar versorgt. Wir haben morgens, mittags und abends jeweils ein Bueffet mit verschiedenen kalten und warmen Speisen. Die Zusammenstellung ist allerdings etwas gewoehnungsbeduerftig. Z.B. gibt es hier morgens (neben Broetchen, Marmelade und so) auch gebratenen Reis, Nudeln, Kartoffeltaschen, Wuerstchen und Bohnen. Mittags und Abends gibt es immer eine (undefinierbare) Gemuesesuppe, Salatplatte und 3-4 verschiedene Sorten Fleisch (Haehnchen, Lamm, Rind, Fisch). Oft mit unterschiedlichen Sossen, aber in a way immer das gleiche Fleisch und von daher haben wir heute beschlossen, einfach mal beim Room-Service etwas zu bestellen, um etwas abwechslung zu bekommen...
Generell hat das Fleisch hier sehr viele Knochenstuecke und erinnert mich vom Stl her etwas an die typische ungarische Kueche mit ganzen Tieren, wo man manchmal nicht genau weiss, was fuer ein Koerperteil man gerade hat. Uebrigens war das undefinierbare, was ich am Anfang beschrieben habe ein "sqid", eine Art Octopus, wie ich mittlerweile herausgefunden habe. Jetzt weiss ich also auch, dass Oktopus kein wirklich herausfordernder Geschmack ist...
In Kuala Lumpur waren wir in einem Restaurant und da gab es aehnliches Essen, aber mit anderen Gewurzen und dadurch richtig lecker (abwechslung halt...). Wieder Fisch, Haehnchen, Lamm und Rind mit Reis und Nudeln! Und interessant war, dass wir uns einfach hingesetzt und gegessen haben (wir haben beschlossen, nicht gemeinsam laut zu beten) und erst hinterher gemerkt haben, dass um uns herum die Leute zwar einen vollen Teller hatten, aber schweigend da sassen und nicht gegessen haben. Auf einmal ertoente aus den Lautsprechern eine Musik und arabischer Gesang und alle haben angefangen zu essen. Das liegt daran (hat uns spaeter unser Kleingruppenleiter erklaert), dass Ramadan ist und die Moslems erst ab Sonnenuntergang essen. Es gibt also so gegen halb7 eine definierte Zeit, wo quasi offiziell per Gebetsruf der Sonnenuntergang erklaert wird und das Fasten unterbrchen wird. Sehr spannend zu sehen...
Eher pharisaeherhaft kam es mir allerdings vor, dass auf dem Flug von Dubai nach KL nachts die Fensterrollos geschlossen wurden und wir um 12 Uhr lecker Essen hatten und erst als der letzte fertig gegessen hatte, die Fenster geoeffnet wurden. So war es noch vor Sonnenaufgang und auch die Moslems im Flugzeug durften Essen. Ob das im Sinne des Erfinders ist, weiss ich nicht, aber von mir aus, esse ich auch bei geschlossenen Fenstern, wenn das anderen hilft ;-)

OK, genug fuer heute. Gleich haben wir noch eine Workshopzeit und heute Abend die vorletzte Hauptveranstaltung. Ich freue mich schon, was noch alles passieren wird und dann auch wieder, nach Hause zu kommen und alles erlebte (zumindest in ein paar freien Stunden) zu verarbeiten.

So far, liebe gruesse an alle

Karsten

P.S.: Gemeinsames Essen Montag Abend finde ich eine gute Idee. :-)Vielleicht koennt ihr ja Schweineschnitzel mit Pommes oder etwas aehnlcihes einplanen. Wenn es Reispfanne mit Huhn gibt, koennte es sein, dass ich spontan zu McDonnalds auswandere ;-)

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Soweit die Mails. Beim Lesen habe ich gemerkt, dass ich vom Inhalt der Veranstaltungen wenig geschrieben hab. Das ist mir gerade auch zu anstrengend,w eil es echt eine Meng ean Infos war. Kurz zusammengefasst, was mir wichtig geworden ist: Auf der Erde gibt es unzählige Menschen, die von Gottes Liebe nix wissen und keine Chance haben, ihr Leben entsprechend auszurichten. Man kann zwar niemanden zwingen, Christ zu werden, aber das Angebot sollt ejeden Mensch bekommen. Deshalb ist das Motto der Lausanner Bewegung „The whole church bringing the whole gospel to the whole world“. Mein Schwerpunkt liegt dabei in der jungen Generation Deutschlands. Hier wachsen viele Menschen auf, die keine Ahnung haben, dass es beim Christsein um mehr geht, als regelmässig in der Kirche zu sitzen und lagweilige Dinge zu tun. Deshalb sehe ich meinen Teil im großen Ganzen in der Medienarbeit, um Menschen zu erreichen und ihnen zu erklären, dass man auch/gerade als Christ ne Menge Spass am Leben und sogar darüber hinaus haben kann :-)
Wichtig ist mir in einem Workshop geworden, dass der „Marketplace“ nicht einfach ein Böser Ort ist, wo wir etwas mehr Licht sein wollen, sondern durchaus der Ort sein kann, wo wir ganz natürlich Leben und Arbeiten und das als Anbetung Gottes sehen können. Denn wir sind geschaffen mit Armen, Beinen, Museln, Denkvermögen, um das auch einzusetzen...

OK, soweit der Kurzreport. Wer mehr wissen möchte, kann mich gerne fragen und ich erzähl dann,w as es noch spannendes gab :-)

Liebe Grüße

Karsten

P.S.: Mehr Infos zur Lausanner bewegung: www.lausanne.org