Karstens Reisebericht, Teneriffa (2)
Hier der zweite Teil des Reiseberichts. Ich gebe zu, ein echtes Web-Tagebuch wuerde man taeglich in kurzen Abschnitten veroffentlichen, aber dann waere es kein Urlaub gewesen. Es tat mir echt mal gut, nicht jeden Tag am PC zu sitzen, auch wenn ich das Internet-Cafe an Board der Africa Mercy ab und zu genutzt hab, um in Kontakt mit der Welt zu bleiben :-)
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Mi 9.1.
Kleine Wanderung: von 0 auf 1000 Meter in 4 Stunden. Das war echt toll! Christian hatte einen Tag frei und wir sind morgens in Naehe des Hafens losgelaufen um einen der tollen Gipfel hier in der Naehe zu erklimmen. Obwohl Santa Cruz als Hauptstadt der Insel ueber 250000 Einwohner hat, ist man in wenigen Minuten ganz weit draussen in der Wildnis. So konnten wir bei diesem Trip Ziegen, (wilde?) Esel, Salamander und Rebhuehner aus naechster Naehe betrachten, frische Kaktusfeigen pfluecken und essen (Achtung, fiese Stachel!) und durch einen unbeabsichtigten Umweg sind wir sogar noch an einem Stausee vorbeigekommen. Zwischendurch immer wieder tolle Aussichten auf die Steppe, einzelne Palmengewaechse, Kakteen und Disteln in der trockenen Gegend am Meer.
Dann ab ca. 700 Metern wechselt die Vegetation ploetzlich und man steht nach felsigem Aufstieg inmitten eines immergruenen Lorbeerwaldes. Faszinierend, auf einmal deutlich kuehler und feuchter (die Baeume nehmen das Wasser aus den Wolken direkt auf) und unglaublich
schoener und beruigender Geruch.
Auf etwa 1000 m waren wir dann am Gipfel, der leider in Wolken lag (waerend der untere Teil immer noch von Sonnenstrahlen verwoehnt wurde...). Totzdem war der Ausblick und die korperliche Erfahrung (mit 2 Tage Muskelkater) es allemal wert!
Abends habe ich dann die Chance ergriffen, einen neuen amerikanischen Tanzstil zu lernen: „Cerock“. Ein wenig ungewohnt, weil es scheinbar egal ist, ob man mit links oder rechts anfaengt und wenige feste Ablaufe aneinander gereiht werden, aber dafuer kann man relativ schnell zahlreiche Figuren lernen und dank mehrfachem Partnerwechsel auch unterschiedliche Fuehrungsstile entwickeln.
Do 10.1.
Ein Relaxtag nach der anstrengenden Bergtour: Ausschlafen, ein wenig Lesen und Shopping in der Castillo Str. (Haupteinkaufsmeile der Stadt mit kleinen Shops, grossen Kaufhaeusern und zahlreichen Snackbars). Scheinbar ist es hier normal, dass man spaet aufsteht, gegen 10 Uhr fruehstueckt, gegen 14 Uhr ein belegtes Baguette ("Bocadillo" ca. 2 EUR) zu sich nimmt, und abends nach 20 Uhr die Hauptmahlzeit konsumiert. Denn vor 13 Uhr bekommt man in manchen Lokalen gar kein Essen serviert und die typischen Restaurants oeffnen abends teilweise erst um 20.30 Uhr. Irgendwie kommt das meinem Lebensstil sehr entgegen, wenn ich auch kurzfristig etwas verwirrt war, nachmittags von 13-17 Uhr in den meisten Geschaeften aufgrund von Siesta nix kaufen zu koennen... 
Naja, abends dann Umzug aufs Schiff (Sechsbettkabine mit kleiner Nasszelle, die ich alleine nutzen konnte, was durchaus angenehm war. Aber mit mehr als 3 Leuten wuerde ich es da nicht lange aushalten, echt eng!). Und quasi als Welcome-Party fand wie jeden Abend das Community-Meeting statt. eine Mischung aus Gottesdienst und Info-Veranstaltung fuer die Crew mit Icecream und Socialising hinterher.
Fr 11.1.
Der Nordosten ist kein typishces Touristengebiet. Deshalb spricht hier auch keiner Englisch oder Deutsch und man muss sich mit Haenden, Fuessen und ein paar Brocken spanisch durchkaempfen. Deshalb hatte ich einen Tag auch eine Fahrt in die Touristengebiete im Sueden eingeplant: Las Americas, 
Ein Grund, warum ich genau da war, ist auch die "Living Room"-Arbeit von Grassroots, von denen ich vor Jahren gehoert hatte und die ich hier vor Ort besuchen konnte. Echt spannend, wie diese Christen mitten in der Partyzentrale (ueber Burger King) einen Ort geshaffen haben, an dem die zahlreichen jungen Briten, die hierher kommen, um aus dem Alltag auszubrechen, zu arbeiten und ein anderes Leben zu finden, ganz entspannt echte Freundschaften und christliche Antworten auf Lebensfragen finden koennen. Ein faszinierend einfaches Konzept, was mich fuer meine Cocktailbar-Arbeit sehr inspiriert hat!
Abends - back on the ship - dann ein Poker-Turnier (ohne Geld natuerlich). Mein erstes Mal Texas Hold'em und gleich zweimal gewonnen (nach 2 Stunden spannendem Endkampf mit meinem Bruder...). Ich glaube, ich mag das Spiel...
Uebrigens bin ich jetzt auch Mitglied bei Facebook, weil man da online mit anderen Mitgliedern pokern kann.
Sa 12.1.
Samstag hatte sich eine deutsche Tour (von der Gemeinde aus Puerto de la Cruz) am Schiff angekuendigt. Dafuer haben Christian und ich auch das Starbucks-Cafe geoeffnet und zahlreiche Kaffeespezialitaeten zubereitet nachdem die Besucher ca. 2 Stunden lang die verschiedenen Teile des Schiffs begutachtet
hatten. Hinterher hat uns eine Amerikanerin mit Instant-Mac&Cheese verwoehnt (ist frisch wohl doch leckerer...) und wir haben mit ein paar Leuten einen Trip zum legendaeren Drachenbaum in Icod de los Vinos gemacht. Inklusive Wein- und Likoerverkostung, Ziegenkaese, einem Felsen-Strandbadbereich an der Kueste von Garachico und einem lecker Abendbuffet auf dem Heimweg.
So 13.1.
Wanderung zum "Dach Spaniens", wie der Teide (>3700m), der hoechste Berg der Insel und ganz Spaniens genannt wird. Laut Wanderfuehrer dauert eine Besteigung (startet auf 2300 m und geht 1500m hoch) ca. 5h und der Abstieg ca. 3h. Durch herrliche Vulkanartige Wuestenfelder, Steilhaenge und Schneefelder (!) sind wir bei strahlendem Sonnenschein auch recht gut hoch gekommen. Allerdings musste ich beim letzten Stuck feststellen, dass mir die geringe Sauerstoffkonzentration auf dieser Hoehe garnicht gut bekommt. so haben akute Kopfschmerzen, Magenprobleme und
Schwindelanfaelle mich nach kurzer Pause veranlasst, die anderen alleine zurueck laufen zu lassen und statt dessen mit der Gondel zurueck zu fahren (was wohl der Weg ist, wie die meisten Touristen hier hoch kommen...). Das war wohl die richtige Entscheidung, denn der rutschige Weg ueber Eis, Felsen und Abhange waere in meinem Zustand leicht zum letzten Abstieg geworden und selbst nach der Tahlfahrt hat es noch eine halbe Stunde gedauert, bis sich mein Kreislauf wieder an ein normales Leben gewoehnt hat. Im Tal haben wir spannenderweise per
Zufall (falls es sowas gibt) eine ehemalige MercyShips-Mitarbeiteruin getroffen, die gerade hier Urlaub macht und uns ein Stueck mit genommen hat.
Auf dem Heimweg wollten wir in einem typisch spanischen Lokal abseits der Touristenorte etwas typisches Essen und haben gemerkt, dass es garnicht so einfach ist, wie geplant. Erst war unser Tisch shcon besetzt, dann die einzige Toilette ewig blockiert und als wir es geschafft hatten aus der spanischen Karte Gerichte zu erraten, die wir ausprobieren wollten, war die Haelfte davon gerade ausverkauft. Also haben die meisten von uns letztlich Pommes in unterschiedlichen Variationen (z.B. mit gekochten Haehnchenfleischstreifen, Ketchup und Kaese) gegessen und einen der guten frisch gepressten Saefte hier genossen.
Mo 14.1.
Nach dem anstrengenden Teideausflug (mit erstaunlich wenig Muskelkater) tut ein Tag relaxen gut! Also erstmal ausschlafen, etwas lesen, auf dem Schiff entspannen und sich mit Leuten unterhalten. Das einfache Kennen lernen und unterhalten mit unterscheidlichen Leuten habe ich echt genossen und so viel spannendes ueber die ganze Welt und die einzelnen Crewmitglieder gelernt (auch wenn ich die meisten Namen bestimmt schon wieder vergessen habe...). Abends war ich dann nach einer intensiven Mailsession (knapp 150 SPAMmails = 40 echte) noch mit einer Koreanerin shoppen. Das heisst, wir wollten fuer mich einen schwarzen Anzug kaufen, der guenstig gewesen waere, haben aber gemerkt, dass mein Korper einfach in keinen Standardanzug reinpasst. Eine Hose mit der Weite 52-54, ein Jacket mit Bauchumfang 56 und Brustumfang von mindestens 58 und hochgeschnittenen Armen fuer viel Bewegungsfreiheit haette es sein muessen und das scheint es auf dieser Insel nicht zu geben. Also muss ich wohl doch mal eins schneidern lassen... Naja, eine Hose und einen Koffer haben wir gekauft und nach langer Suche auch noch eine Kuchenbackmischung ;-)
Di 15.1.
Noch einmal frueh aufstehen, das Fruehstueck mitnehmen (6.30 - 7.30, deshalb meist ohne mich) und beim Community-Meeting um 7.45 Uhr Infos und Devotions hoeren bevor ich den Tag im Nachbarort La Laguna genossen habe. Hier gibt es ein schoenes altes Stadtviertel (vergleichbar mit der Oberstadt Marburgs nur ohne Berg, Schloss und ganz anders). Viele Infos im
historischen Museum ueber spanische Architektur, die Ureinwohner der Insel, Eroberung und Entwicklung des Handels und praktische Infos im wissenschaftlichen Museum darueber, wie unser Koerper, unser Universum und alles dazwischen so funktioniert. Abend hat Christian uns dann mitgenommen in seine Lieblings-Smoothiebar, wo man aus zahlreichen Fruechten guenstige Mixereien zubereitet bekommt. Echt lecker, weil das Obst hier einfach deutlich frische ist als in Deutschland gewohnt...
Mi 16.1.
Leider schon der letzte Tag eines tollen Aufenthaltes auf der Insel. Deshalb habe ich spontan entschieden, nix grosses mehr zu planen, den Tag an Board zu geniessen, nochmal im Starbucks-Kaffee diverse Flavours zu testen, zu lesen, zu packen und Zeit mit den Menschen hier zu verbringen. Abends dann nochmal Sangria trinken und Abschied feiern in der Stadt mit einigen netten Leuten vom Schiff und eifriges Packen der Koffer fuer den Rueckflug.
Do 17.1.

7.00 Uhr Fruehstueck, 8.30 Uhr Abfahrt, 10.50 Uhr Flug
Zwischenstop auf Madeira, um ein paar Urlauber auszutauschen und Weiterflug nach Deutschland mit Ratatouille auf der Leinwand und Hähnchensnak auf dem Tablett. Leicht verspätet und ab und zu verwackelt wegen Wind, aber doch insgesamt ein angenehmer Rückflug.










