Von Himmelfahrt bis Fronleichnam...
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Nachdem ich mir zu Weihnachten und Ostern schon kreative, meditative und sonstive Gedanken gemacht habe, wie man als Bürger des 21. Jahrhunderts im teils säkularisiert-liberalen, teils christlich-konservativen Europa voll frommer Gotteserfahrung und doch angezogen von postmodernem Lebenswandel seinen Glauben und Alltag in Einklang bringen kann, denke ich heuer über Pfingsten und die Feierlichekiten drumherum nach.
Himmelfahrt - gebe ich ehrlich zu - hab ich dieses Jahr etwas übergangen (Nicht nur aber auch weil es durch den 1.Mai und das Christival überbelegt war...). Irgendwie hab ich das Gefühl, gibt es an diesem Feiertag keine christlichen Traditionen. Sicher, es gibt in der Woche ein passendes Thema für die Sonntagspredigt und man kann lautstark protestieren, wenn jemand vom Vatertag redet oder ein Himmelfahrtskommando mit Bier und Bollerwagen startet. Man kann sogar harmonisieren und vom Vatertag Jesu reden, aber außer schlauen Sprüchen fällt mir da keine sinnvolle Liturgie ein. Vielleicht auch deswegen, weil ich selber lieber mit Bier und Bollerwagen durch die Frühlingssonne wandere als schlau zu reden? Vielleicht haben sich Christen auch deshalb nie so um diesen Feiertag gekümmert, weil er ja einen Abschied markiert, ein weg-gehen und warten auf das was noch kommt.
Trotzdem finde ich es wichtig, diesen Tag bewusst als einen christlichen Feiertag zu gestalten. Vielleicht kommt mir ja bis nächstes Jahr eine gute Idee, wie man eine Wanderungspredigt über den Schöpfer der Natur, seinen Sohn und dessen Heimkehr zum Vater, wo es noch perfekter ist als an der tollsten Grillhütte oder einen spontanen Relax-He'll-be-back-Input ganz unverkrampft einbauen kann, um über die relevanten Themen dieser Welt ins Gespräch zu kommen. Vielleicht ist es aber auch manchmal gut, nicht nur nachdenken und verstehen zu wollen, sondern einfach zu akzeptieren, dass Gott uns Zeiten der Freude und des fröhlichen Feierns gönnt, während wir auf die Wiederkunft Jesu warten, der uns seit fast 2000 Jahren einen Ort vorbereitet, wo wir mit ihm die Ewigkeit verbringen können.
Nunja, aber eigentlich wollte ich ja was zu Pfingsten schreiben, der Tag an dem Jesus sein Versprechen eingelöst hat und den Heiligen Geist auf die Erde geschickt hat, ganz deutlich spürbar und seitdem verfügbar für jeden, der sich mit Gottes Liebe identifiziert und auf ihn vertraut. Der "Geburtstag der Kirche" wird das Fest auch oft genannt, weil der Geist Gottes die Kirche baut und an diesem Tag auch zum ersten Mal (abgesehen von den Predigten und Speisewundern Jesu mit mehreren tausend Eventpilgerern) die Mengen einer amerikanischen Mega-Church erreicht wurden. Von diesem Tag an waren die verstörten Jünger auf einmal mutig und bekannten ihren Glauben so deutlich, dass alle Welt es verstand und bei vielen der Funke übersprang. Einheit und Freude sind daher Kennzeichen dieses Festtags, irgendwie aber auch internationale Verständigung, Mission und Geistesgaben.
In Marburg feiern wir den Pfingstmontag traditionell mit einem ökomenischen Open-Air-Gottesdienst auf der Schlossparkbühne. Dort kommen Christen aus verschiedenen Kirchen und Gemeinden zusammen um sich gemeinsam an die Einheit der Christen, an die Gaben des Geistes und an die Verantwortung für die Gesellschaft zu erinnern. Nicht eingeschlossen hinter Kirchenmauern, sondern ganz nah bei den Menschen sollen die Chrsten sein und so von der Liebe Gottes begeistert, dass andere auch motiviert werden. Diese letzte Komponente fehlt den Marburger Gottesdiensten oft noch. Der Posaunenchor gibt zwar sein Bestes, bleibt aber eben hinter der typischen Partymusik in punkto Freude weit zurück und auch das anschließende Kaffeetrinken im Schlosspark ist gut und wichtig, aber nicht so ausgelassen wie das Stadtfest im Juli an gleicher Stelle.
Über die Freude aufgrund von übermäßigen Alkoholkonsums kann man natürlich streiten, gerade das wurde aber den Christen am ersten Pfingstfest vorgeworfen, dass sie sich verhalten als wären sie betrunken. Von daher sollte unsere Freude sich auch an einer klasse Sommerparty messen lassen.
Wenn nicht der Graben zwischen Beachparty und Lobpreis so groß wäre, würde ich es ja gerne einmal ausprobieren, eine geistliche Party mit innigem Gotteslob, ganzheitlichen Geisterfahrungen und ausgelassener Freude am Pfingswochenende zu zelebrieren. Denn auch das kann die Gesellschaft prägen, ganz ohne große Worte :-)
So, nächste Woche ist Fronleichnam, "Happy Kadaver", wie der Volksmund schmunzelnderweise sagt und ich muss gestehen, dass ich mit diesem Feiertag wieder nicht so viel anfangen kann. Frei = Freu, aber warum und wozu? Vermutlich werde ich einfach mal ausschlafen und mich von den Feiertagen der letzten Zeit erholen. Denn auch das gebietet Jesus seinen Jüngern nach einem anstrengenden Auftrag: "Ruhet ein wenig" (Mk 6,31)...
