Mittwoch, Februar 22, 2006

Was ist Wahrheit?

Ich wohne ja hier in Wölmersen während meinem Praktikum im Neues Leben-Zentrum. Da wo auch teilweise die Seminaristen wohnen und die Seminare stattfinden. Gestern war ich vor meinem Dienstbeginn einfach mal eine Stunde da im Unterricht "Systematik" und wir haben unter anderem über das Thema Lüge und Wahrheit nachgedacht. "Was ist Wahrheit" hat damals shcon Pilatus gefragt und bis heute haben Philosophen keine wirklich sinnvolle Erklärung gefunden...

2 Definitionen von Wahrheit haben wir nebeneinander gestellt:
  1. Wahrheit = Eine Abbildung der Wirklichkeit in Sprache.
  2. Wahrheit = Ein sich aus der Beziehung zu Gott ergebender Sachverhalt.

Der erste Punkt beschreibt eher logisch, dass es wahr ist, wenn ich die Realität korrekt wiedergebe. Der zweite Punkt geht eher philosophisch darauf ein, dass alles das, was vom Schöpfer her gesehen wird, also der ursprünglichen Intention entspricht, richtig und wahr ist.
Jetzt kann man natürlich einfahc mit den 10 Geboten oder anderen bibelstellen argumentieren und sagen "Du sollst nicht lügen". Also lügt man nicht und alles ist in Butter. Das ist shconmal ein guter Ansatz, den ich mir persönlich auch als Grundlage gesetzt habe. Aber das funktioniert nich immer so einfach. Was ist zum Beispiel mit Halbwahrheiten, unbewussten Falschaussagen oder Notlügen? Was, wenn ich jemanden überraschen will und deshalb etwas bewusst verschweige oder falsch darstelle? Was, wenn ich einen anderen Menschen schützen will (z.B. vor der Willkür eines Gewaltregimes) und deshalb etwas nicht der Wirklichkeit entsprechendes sage? Am Beispiel von Kriegssituationen oder der Nazi-Herrschaft kann man leicht sehen, dass es Dilemma-Situationen gibt, in denen einfach die Wahrheit sagen das eigene (oder fremdes) Leben sehr unsanft beenden kann. Demnach sind andere Gebote wie "Du sollst nicht töten" oder das generelle Gebot der Nächstenliebe oder des aktiven Nachdenkens auch zu beachten.

Als Entscheidungsgrundlage hier die vorgeschlagene Werteordnung des Dozenten Jürgen Bonßdorf:
  1. Himmelreich
  2. Lebenserhaltung
  3. Schutz der Ehe
  4. Wahrheit und Lüge

Bei allem, was wir tun, gehr es demnach immer zuerst um das Reich Gottes, darum, Menschen mit Gott bekannt zu machen und um ewiges Leben. Wenn diese Frage geklärt ist, ghet es in unseren Entshceidungen darum, das irdische Leben zu erhalten, sei es das eigene oder fremdes. Wenn kein Leben in Gefahr ist, wäre die Ehe zu schützen (Anmerkung: ich würde hier allgemeiner zwishcenmenschliche Beziehungen formulieren, aber die Ehe als spezielle Partnerschaft sollte gerade dabei einen sehr hohen Stellenwert geniessen!). Und erst als vierter Punkt kommt die Frage nach Wahrheit und Lüge. Dann zwar mit der gleichen Gültigkeit und Klarheit. Du sollst wirklich nicht lügen, basta! Aber nur durch blosses nicht-lügen kann man auch noch Fehler machen, deshalb die Werteordnung.

An dieser Stelle war die Stunde dann auch schon vorbei. Jetzt stellen sich natürlich noch ganz andere Fragen, die auch betrachtet werdenw ollen, zumal sie auch biblishc gestellt werden. Zum Beispiel die Frage nach Wahrhaftigkeit oder Integrität, die natürlich eine gewisse Verlässlichkeit in der Korrektheit einer Aussage voraussetzen. Von daher wäre es für mich eine Transparenz in der genutzten Werteordnung herzustellen, um dem Gegenüber zu signalisieren, wo die eigenen Maßstäbe sitzen.

Nunja, jetzt mache ich wieder Grafik, Webdesign und Fernsehplanung und kümmer mich schrecklich wenig um systematische Wahrheitskonzepte. Obwohl, eigentlich ist ja gerade derAlltag der Ort, wo es auf sinnvolle Konzepte im Unterbewusstsein ankommt, um wirklich sinnvoll und geistlich zu leben ohne sich selbst und andere unnötig zu stressen...

Soviel dazu, jetzt geh ich aufs Klo :-)